Sinn oder Unsinn einer Holding – wann lohnt sich diese?

Die Frage nach der Gründung einer Holdingstruktur beschäftigt viele Unternehmer:innen, die ihr Unternehmen strategisch weiterentwickeln möchten. Eine Holding bietet insbesondere steuerliche Vorteile, erlaubt die Bündelung von Unternehmensbeteiligungen und schafft Möglichkeiten zur gezielten Investition von Überschüssen. Gleichzeitig bringt sie zusätzliche Kosten, Komplexität und administrative Anforderungen mit sich.

Entscheidend ist daher die Frage: Für wen und wann lohnt sich eine Holding wirklich?

Um dies systematisch zu beantworten, lässt sich die Entscheidung entlang drei Säulen strukturieren:

  1. Privater Lebensunterhalt: Wie viel des Gewinns wird regelmäßig für den persönlichen Konsum benötigt?
  2. Thesaurierung und Reinvestition ins operative Unternehmen: Wie stark sind Gewinne für Investitionen im Unternehmen vorgesehen?
  3. Investitionen über die operative Gesellschaft hinaus: Gibt es weitere strategische Ziele wie Beteiligungen, Immobilien oder Start-Ups?

Säule 1 – privater Lebensunterhalt

Wenn der überwiegende Teil der Gewinne für den persönlichen Lebensstandard verwendet werden muss, ist ein Einzelunternehmen oder eine GmbH & Co. KG meist die bessere Wahl. Hier können alle Gewinne regelmäßig entnommen werden, ohne dass eine zusätzliche Holding-Ebene die Ausschüttungen verzögert oder zusätzliche Kosten verursacht. Die Holdingstruktur bietet in diesem Fall keinen praktischen Vorteil, da die steuerlichen Einsparungen erst bei Reinvestitionen innerhalb der Holding relevant werden. Unternehmer:innen, die ihre Gewinne direkt zum Lebensunterhalt benötigen, profitieren daher eher von einer schlanken, direkten Gesellschaftsstruktur.

Säule 2 – Thesaurierung / Reinvestition ins Unternehmen

Wenn Gewinne nicht sofort entnommen, sondern primär zur Finanzierung von Unternehmensinvestitionen verwendet werden sollen, bietet die GmbH bereits erhebliche Vorteile gegenüber einem Personenunternehmen (Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaft). Thesaurierte Gewinne unterliegen nur der Körperschaftsteuer (15 %) zuzüglich Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer, was typischerweise zu einer Gesamtbelastung von rund 30–33 % führt. Für Investitionen in Wachstum, Forschung, Maschinen oder operative Expansion ist diese Struktur steuerlich effizient. Die Gründung einer zusätzlichen Holding ist in dieser Situation nur dann sinnvoll, wenn die Gewinne auch außerhalb des operativen Unternehmens investiert werden sollen.

Säule 3 – zusätzliche Investitionen / Diversifikation

Sobald Lebensunterhalt und Unternehmensinvestitionen gedeckt sind, kann eine Holdingstruktur entscheidende Vorteile bringen. Gewinne werden „hinter der Brandmauer“ der Holding gebündelt und steuerlich effizient für weitere Projekte verwendet, z. B. Beteiligungen an Start-Ups, Immobilieninvestments oder Beteiligungen an anderen operativen Gesellschaften. Die Vorteile im Überblick:

  • Begünstigte Ausschüttungen (§ 8b Abs. 1 KStG): 95 % steuerfrei, sofern die Mindestbeteiligungsquoten von 10% (KSt) bzw. 15% (GewSt) erfüllt werden
  • Begünstigte Veräußerungsgewinne (§ 8b Abs. 2 KStG): 95 % steuerfrei
  • Thesaurierung von Gewinnen für weitere Investitionen
  • Operative Zentralisierung: Zentrale Steuerung von Tochtergesellschaften über eine Führungsholding

Die Holding eignet sich besonders für Unternehmer:innen, die einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen und Gewinne nicht sofort entnehmen müssen.

Fazit

Die Holding ist nicht für jeden Unternehmer sinnvoll. Wer Gewinne überwiegend für den privaten Lebensunterhalt benötigt, sollte auf eine klassische GmbH oder GmbH & Co. KG setzen. Unternehmer:innen, die ihre Gewinne reinvestieren und strategisch diversifizieren möchten, profitieren erheblich von einer Holdingstruktur.